Über Stärken und Schwächen der aktuell angewandten Unternehmensbewertungsmethoden. Wohin geht der Trend bei der Bewertung von KMUs?

11.03.2010 von  Michael Keller - Klein & Coll

Bewertungen spielen in M&A Mandaten eine wesentliche Rolle. Sie werden im Laufe eines Projektes immer mit den verfügbaren Daten des Unternehmens aktualisiert, um einen möglichst präzisen Unternehmenswert zu berechnen. Am Markt existieren nicht zu wenige Modelle, sondern zu viele. Die am Markt dominierenden Bewertungsmethoden sind eindeutig das angelsächsisch geprägte DCF-Verfahren sowie die Multiplikatorenbewertung.

Anwendungshäufitkeit der Bewertungsverfahren in Deutschland:

 

Ich möchte Ihnen anhand eines klassischen Prozesses die dominanten Verfahren näher bringen. Im Zuge des Versands des Information Memorandums wird häufig ein indikativer Unternehmenswert auf Cash-and-Debt-free-basis von den potentiellen Investoren verlangt. Hierbei soll u.a. das Bewertungsverfahren mit den wichtigsten Annahmen dargelegt werden. Diese indikativen Angeboten sind für den weiteren Prozess entscheidend und haben enormen Einfluss auf die zu berücksichtigenden Wertfaktoren.

Gerade strategische Investoren bevorzugen das DCF-Verfahren. Es stützt sich grundsätzlich auf eine tiefgehende Analyse von Unternehmensdaten. Wesentlicher Vorteil des DCF-Verfahrens stellt die Zukunftsbezogenheit dar, weshalb der Käufer veranlasst wird, sich intensiv mit der künftigen Entwicklung auseinanderzusetzen. Kritisch anzumerken ist das Prognoseunsicherheit. Zukünftige Entwicklungen hängen von zahlreichen, mitunter sehr komplexen Einflussfaktoren ab, so dass mit steigender Prognoselänge der Unsicherheitsgrad ansteigt.

In den letzten Jahren ist eindeutig ein Trend zu erkennen, dass die Multiplikatorverfahren stetig an Bedeutung gewinnen. Nach der Multiplikatormethode errechnet sich der Unternehmenswert aus dem Produkt einer Bezugsgröße mit dem Multiplikator. In der Praxis werden bevorzugt Multiplikatoren auf Basis operativer Erträge (z.B. EBIT) verwandt. Entscheidender Faktor hierbei ist die Wahl der Vergleichsmultiplikatoren aus Transaktionen oder vergleichbaren, am Markt gehandelten Unternehmen. Hierbei ist eine detaillierte Analyse der Vergleichsgesellschaften vorzunehmen. Jedes Unternehmen hat eigene Stärken und Schwächen, die neben operativen Kennzahlen, in die Bewertung einfließen sollten. Gerade bei Laien findet die Multiplikatormethode großen Anklang, da sie einfach durchführbar ist.

Beide Verfahren werden bei der Bewertung von KMUs eingesetzt. Aktuell werden KMUs zumeist anhand von Multiplikatoren erworben bzw. auf Basis eines Multiplikators werden indikative Angebote abgegeben. Hierbei werden häufig mehrere Geschäftsjahre in die Betrachtung einbezogen. Die aus der Vergleichsanalyse (Peer Group) gewonnen Multiplikatoren werden nun auf einen gewichteten EBIT bzw. EBITDA angewandt.

Beispiel:

 

Unternehmen und implizit auch der Unternehmenswert sind kein starres Gebilde sondern sind Bestandteil eines aktiven Marktes. Deshalb können sich die zu Beginn eines Prozesses erhobenen indikativen Unternehmenswerte sich im Prozessablauf durch erzielte Ergebnisse der Gesellschaft oder auch durch Markteinflüsse verändern.

Wie diese kurze Beschreibung der angewandten Bewertungsverfahren zeigt, werden am Markt mehrere Bewertungsverfahren eingesetzt. Jedes Modell hat eigene Stärken und Schwächen, die es zu berücksichtigen gilt. Eine detaillierte Analyse sowie Darstellung der Bewertungsergebnisse des M&A-Beraters ist für das Verständnis der Modelle bei Gesellschaftern von KMUs unerlässlich.

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Michael Keller ist Teilhaber bei der auf M&A-Transaktionen im Mittelstand spezialisierten Beratungsgesellschaft Klein & Coll. sowie Dozent an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main. Darüber hinaus ist Herr Keller u.a. Stiftungsbeirat Mergers & Acquisitions im Mittelstand im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main.

Co-Autor:Dipl.-Kfm. Oliver Marquardt, Associate bei Klein & Coll. und verantwortlich für den Bereich Unternehmensbewertungen.

 
 
 
 
 
 

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