Bei der Umsetzung von Unternehmensnachfolgen unterschätzen betroffene Unternehmer häufig die Komplexität des Themas und begehen oft vermeidbare Fehler. Für einen Unternehmer, der seinen Betrieb über Jahre hinweg aufgebaut und durch alle Klippen gelenkt hat, ist es nicht leicht, sich zurückzuziehen und das Unternehmen an einen Nachfolger zu übergeben. Auch wenn der Unternehmer die Notwendigkeit der Unternehmensnachfolge erkannt hat, kann er oft von seinem Lebenswerk nicht loslassen und begeht typische Fehler, die ein Scheitern des Prozesses vorprogrammieren.
Im Folgenden haben wir zehn Punkte aufgeführt, die unserer Meinung nach zu KO-Kriterien im Nachfolgeprozess werden können.
1. Ich habe mein Geschäft alleine und ohne Hilfe aufgebaut – so mach ich auch weiter:
Viele Unternehmer wollen die Unternehmensnachfolge ohne Unterstützung umsetzen. Im Wesentlichen ist die Zielrichtung klar, Rat und Hilfe werden daher nur punktuell eingeholt. Diese Vorgehensweise birgt ein hohes Risiko durch die Nichtsteuerbarkeit des Prozesses. Hierdurch wird der Prozess verzögert und der Unternehmenswert sinkt. Bei einer Unternehmensnachfolge gilt daher: Schalten Sie in jedem Fall einen Berater ein und holen Sie Sich Unterstützung!
2. Mein Junior wird die Firma schon irgendwann übernehmen:
Viele abgebende Unternehmer halten zu lange an einer Nachfolge innerhalb der Familie fest. Häufig findet keine wirklich offene Kommunikation mit den Kindern statt und deren tatsächliche Neigungen und Qualifikationen werden nicht ausreichend berücksichtigt.
3. Wir sehen mal ganz in Ruhe, wer da so als Nachfolger in Frage kommt:
Diese Strategie führt dazu, dass der Prozess dauert und nicht professionell betrieben wird. Die Unternehmensnachfolge muss als ein professionelles Projekt durchgeführt werden. Hierzu gehören klare Definition des Ziels, Zeitplanung, Projektleitung, effiziente Nachfolgersuche und eine zielgerichtete Vorbereitung des Unternehmens auf den Verkauf.
4. Ich bin jetzt 80 – fünf Jahre gehen noch:
Viele Unternehmer stehen vor dem Dilemma: Aufhören müssen, aber nicht können. Der berechtigte Stolz auf das Lebenswerk macht das Loslösen und Abgeben schwer. Im Hintergrund steht dabei häufig die Angst vor Machtverlust und sozialem Abstieg. Dabei ist die Entscheidung für die Übergabe des Unternehmens eine rationelle Notwendigkeit und Alternativenlos.
5. Auch nach der Übergabe will ich weiterhin das Sagen haben:
Manch ein Unternehmer hat Zweifel an der Kompetenz des Nachfolgers. Dies führt häufig dazu, dass Altunternehmer bewusst oder unbewusst die Autorität des Nachfolgers in Frage stellen.
Es ist durchaus sinnvoll, dass der scheidende Inhaber weiterhin dem Nachfolger beratend zur Seite steht. Das Tagesgeschäft muss aber definitiv Sache des Nachfolgers sein. Die Autorität des Nachfolgers darf in der ohnehin schwierigen Nachfolgephase keinesfalls in Frage gestellt werden.
6. Den Verkaufspreis entscheide ich:
Viele Kaufpreisverhandlungen scheitern aufgrund unrealistischer Kaufpreisforderungen des Verkäufers. Altinhaber haben häufig konkrete und überhöhte Vorstellungen über den „Wert“ Ihres Unternehmens. Es entstehen unüberbrückbare Differenzen zu den Vorstellungen des potentiellen Unternehmensnachfolger, welche zu einem Scheitern der Verhandlungen führen.
7. In die Karten schauen lass ich mir nicht:
Der Unternehmer erwartet, dass der Nachfolger die "Katze im Sack" kauft. Um einen angemessenen Kaufpreis zu erzielen, müssen dem Interessenten notwendigen Informationen zur Verfügung gestellt werden. Der potentielle Nachfolger muss in der Lage sein, sich ein Bild über die Chancen und Risiken der Nachfolge zu verschaffen.
8. Steuern sparen um jeden Preis:
In vielen Fällen steht die Gestaltung der Unternehmensnachfolge unter dem Primat der Steueroptimierung. Hier besteht die Gefahr, dass wichtige betriebswirtschaftliche, rechtliche oder auch psychologische Aspekte nicht ausreichend gewürdigt werden. Eine Unternehmensnachfolge ist ein hochkomplexer Prozess der ganzheitlich bearbeitet werden muss. Eine einseitig steuerlastige "Scheuklappe" führt zwangläufig zu einem suboptimalen Ergebnis.
9. Keiner kann´s so gut wie ich:
Häufig kritisiert der scheidende Chef vom Nachfolger getroffene Entscheidungen oder greift gar in die Unternehmensführung ein. Soweit darf es nicht kommen!
Natürlich ist es in den meisten Fällen sehr sinnvoll und notwendig, dass der Senior eine zeitlang die Übernahme begleitet. Der Rahmen der Zusammenarbeit muss aber sowohl zeitlich, wie auch hinsichtlich der Aufgabenverteilung und Kompetenzen definiert werden.
10. Was mache ich nach dem Verkauf meines Unternehmens?:
Für den Unternehmer, der seinen Betrieb abgeben möchte, gilt: Sorgen Sie frühzeitig für sinnvolle, interessante, spannende Beschäftigung. Gleichgültig, ob Sie sich auf kulturellem Gebiet engagieren, auf Weltreise gehen oder sich einen Oldtimer zulegen: Tun Sie's !


