Basel III - Wachstumsdämpfer durch geringere Kreditvergabe?

03.03.2011

Von Jörn Pötzsch -  exact Beratung GmbH, Wetzlar

   

Um was geht es?

Bereits die "Basel II"-Empfehlungen hielten die Banken an, die Ausfallrisiken ihrer Engagements mit Eigenkapital abzudecken. Dabei wurden u.a. Mindestanforderungen an die Kernkapitalquote vereinbart. Dabei beschreibt die Kernkapitalquote das Verhältnis des Eigenkapitals einer Bank zu ihren riskobehafteten Geschäften, wie Krediten und getätigten Geldanlagen. Vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise verschärft Basel III diese Anforderungen.  Dabei wurden sowohl die Definitionen des Kernkapitals als auch die Höhe der Kernkapitalquote neu geregelt.

   

Das Kernkapital soll in Finanzkrisen die Verluste der Kreditinstitute abfangen, die sich durch Kreditausfälle und Wertverluste bei Anlagen ergeben. Als "hartes" Kernkapital wird daher nur noch das Kapital definiert, dass der Bank im Krisenfall dauerhaft zu Verfügung steht. Diese sind u.a. eingezahltes Stammkapital, Gewinnrücklage, offenen Rücklagen oder andere im Eigenkapital erfassten Erträgen.

   

Basel II forderte bisher, Kredite und Anlagen risikogewichtet mit 8 % Eigenkapital zu unterlegen. Basel III verlangt hier eine erhebliche Verschärfung: Das harte Kernkapital soll zukünftig mindestens 7 % (vorher 2 %) betragen, das weitere Kernkapital 1,5 % (vorher 2 %) und das Ergänzungskapital nur noch 2 % (vorher 4 %). Damit steigt die Kapitalquote auf 10,5% und wird qualitativ aufgewertet. Hinzu kommt ein antizyklischer Kapitalpuffer, den die nationale Bankenaufsicht in einer Schwankungsbreite von 0 bis 2,5 % festlegt.

 

Ab wann gilt es?

Im September 2010 hatte der "Basler Ausschusses für Bankenaufsicht bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ)" die neuen Empfehlungen erstmals veröffentlicht. Auf dem G20 Gipfel im November 2010 in Seoul stimmten dann die Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Industrienationen die Regeln endgültig ab. Die Umsetzung in nationales Recht soll bis 2012 erfolgen. Die Erhöhung der Mindestkapitalquoten wird schrittweise ab dem 1. Januar 2013 erfolgen und bis zum 1. Januar 2015 das Zielniveau erreichen.

 

Welche Folgen hat das für die Banken?

Ein Studie der Boston Consulting Group zeigt, dass die deutschen Banken mit rund 65 Milliarden Euro den größten Kapitalbedarf in Europa haben. Um diesen Kapitalbedarf zu decken, können Banken an den zwei Punkten ansetzten, die die Kernkapitalquote maßgeblich bestimmen:

   

1.       Zusätzliches Kernkapital aufbauen. Zum Beispiel aus Gewinnrücklagen oder EK-Einlagen.

2.       Die Kreditvergabe wird reduziert. Das vorhandenen Kernkapital reicht, um die Quote zu erfüllen.

   

Beide Punkte legen nahe, dass das Kreditgeschäft eingeschränkt werde könnte. Entsprechende Befürchtungen, insbesondere für Deutschland mit seinem breiten Sparkassen und VR-Bank-Sektor, wurden daher schnell laut.

Sowohl der Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, als auch Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken geben hier aber Entwarnung. So sagte Gerhard Hofmann, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken zur Entscheidung der Zentralbankgouverneure und Präsidenten der Aufsichtsbehörden zur Umsetzung von Basel III: „Die Volksbanken und Raiffeisenbanken werden auch die verschärften Kernkapitalanforderungen nach Basel III gut erfüllen und ihr Kreditangebot an Mittelstand und Privatkunden unverändert aufrechterhalten.“ Heinrich Haasis, Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, sagte bei einer Pressekonferenz seines Verbandes anlässlich der Herbsttagung von Internationalem Währungsfonds und der Weltbank: „Die Sparkassen werden in der Lage sein, ihr künftig benötigtes Eigenkapital aus eigener Kraft zu erwirtschaften bzw. sich in ihren heutigen Strukturen zu beschaffen. Bereits in den beiden letzten, nicht einfachen Jahren hätten sie die Eigenkapitalquote von 13,1 auf 14,8 % gesteigert. Die Kernkapitalquote aller deutschen Sparkassen liege schon heute bei 9,7 %. Auch 2010 würden die Sparkassen ihr Eigenkapital wieder deutlich ausbauen."

 

Und was bedeutet das für den Mittelstand?

Glaubt man den Vertretern der Sparkassen und Genossenschaftsbanken, dann wird es keine gravierenden Folgen für die Kreditversorgung geben. So weit so gut. Allerdings wird man bei dem Thema Kreditkonditionen genauer hinsehen müssen. Wie oben beschrieben, werden die Kosten für Risiko höher. Entsprechend werden sich möglicherweise, mit einem Verweis auf die neuen Basel III Regeln, die Konditionen erhöhen oder leichter erhöhen lassen.

   

Wie bei der Einführung von "Basel II" wird entsprechend das Thema Rating wieder für Diskussionen zwischen Unternehmern und Banken sorgen. Die Zusammenarbeit mit der Hausbank daher in Zukunft noch intensiver werden. Für den Unternehmer gilt es daher zu den wesentlichen Ratingelementen eine offene Kommunikation mit der Hausbank zu pflegen, da diese Einfluss auf Kredit- und Konditionsentscheidungen haben.

 

 

Quellen:

http://www.dsgv.de/_download_gallery/Pressemitteilungen_2010/101009_PM_Eigenkapitalanforderungen_86.pdf

http://www.bvr.de/p.nsf/index.html?ReadForm&main=0&sub=10&ParentUNID=1F2D7FEDF2471B6AC12577BC004690B3

http://www.deloitte.com/assets/Dcom-Germany/Local%20Assets/Documents/15_ERS/2010/de_ERS_FRS_Whitepaper39_BaselIII_Jan_2011.pdf

http://www.haufe.de/controllerwissen/controllermagazin/magazineItemDetail?editionID=1292430259.18&articleID=4

http://www.bankenverband.de/themen/fachinformationen/mittelstandspolitik/welche-auswirkungen-hat-basel-iii-auf-den-mittelstand

 
 
 
 
 
 

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